Vokuhila, Popperlocke, Sidecut – Teamplay ist unsere Stärke

1953 gegründet, wird der Neulengbacher Friseursalon Reiser heute in dritter Generation von Daniela Schimatschek geführt. Im Interview gewährt sie einen Blick hinter die Kulissen.

Was ist ein „Vokuhila“? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Vorne kurz, hinten lang.“ In punkto Frisuren kann man Daniela Schimatschek nichts vormachen. Selbst wenn es sich um eine Frisur handelt, die Mitte der 80er Jahre en vogue war und damals die Köpfe von Prominenten wie George Michael oder Dieter Bohlen zierte. Im Gespräch mit dem AW-Info-Brief erzählt Daniela warum Teamplay für sie so wichtig ist und wie der Besuch einer  älteren Dame zu einer durchaus erheiternden Situation geführt hat.

 

AW-Info-Brief:  War Friseurin immer dein Traumberuf?

Daniela Schimatschek: Jein, eigentlich wollte ich Maskenbildnerin beim Theater werden. Aber dazu muss man zuerst eine Friseurlehre absolvieren. Die habe ich bei der Gruppa L’Ultima in Wien absolviert. Ich habe dann zwar im Festspielhaus in St. Pölten auch ein wenig in die Maskenbildnerei reinschnuppern können, aber der erlernte Beruf der Friseurin hat mir so gefallen, dass ich mir gesagt habe ich bleibe dabei. Vor 4 Jahren habe ich dann das Geschäft meines Vaters übernommen.

AW-Info-Brief: War die Übernahme immer schon fix?

Daniela Schimatschek: Nein,  aber mein Vater hat sich natürlich gefreut.

AW-Info-Brief: Auf deiner neuen Homepage heißt es Teamplay ist unsere Stärke. Aus persönlichen Beobachtungen weiß ich, dass ihr mitunter auch einiges gemeinsam unternehmt wie z.B. Musicalbesuche in Wien. Warum ist Teamplay für dich so wichtig und wie äußert sich das?

Daniela Schimatschek: Du meinst da wahrscheinlich unsere letzte Weihnachtsfeier, die wir mit einem Besuch des Musicals Schikaneder in Wien verbracht haben und es uns anschließend noch gut gingen ließen – Übernachtung inklusive. Klar das kostet was, aber ich habe ein tolles Team und ich kriege auch viel zurück. Wenn die Mitarbeiter für einen da sind, tut man sich auch leicht für sie da zu sein.

AW-Info-Brief: Was war die lustigste Situation, die du im Salon erlebt hast?

Daniela Schimatschek: Lustige Situationen gibt es viele. Das Witzigste, was mir so auf die Schnelle einfällt, war der Besuch einer älteren Dame, die schon etwas schlecht gehört hat. Mein Vater hat sie immer wieder gefragt, welche Frisur sie denn gerne hätte.  Die Antwort war immer die Gleiche: „I vasteh Ihna net.“ Zum Schluss der ca. viertelstündigen Unterhaltung kam ihm dann die rettende Idee, wie er meinte: „Ich schreib’s Ihnen auf“ – gesagt, getan. Die Antwort der Dame: „Meine Güte das kann ich doch nicht lesen, könnten Sie mir das nicht vorlesen?“

AW-Info-Brief: Wie wichtig ist das Thema Fortbildung in deinem Beruf, bzw. für deine Mitarbeiterinnen?

Daniela Schimatschek: Sehr wichtig. Ich selbst besuche regelmäßig Seminare und auch meine Mitarbeiterinnen machen das. Wobei die Jüngeren naturgemäß öfter Seminare besuchen.

AW-Info-Brief: Wer trägt die Kosten für die Seminare?

Daniela Schimatschek: Ich mache das gerne, weil mir die Fortbildung wichtig ist.

AW-Info-Brief: Ich habe vorhin nach dem „Vokuhila“ gefragt, eine Frisur die Mitte der 80er absolut im Trend lag. Damals gab es unter anderem auch die sogenannte „Popperlocke“, die vorwiegend bei den Jugendlichen in Mode war. Gibt es solche Trends auch noch heute?

Daniela Schimatschek: Ja, bei den Jugendlichen war es eine zeitlang „in“ die Haare an den Seiten sehr kurz zu rasieren und das Deckhaar länger zu tragen – sogenannte Sidecuts. Die Herren tragen wieder gerne Bart. Bei den Damen vermischen sich die Stile. Es wird z.B. ein hart geschnittener Pony mit einem sehr weichen, fransigen Haarschnitt kombiniert. Aktuell sind verschiedene Pastellschattierungen besonders beliebt. Dabei geht man weg von den typischen Strähnen, die Farbschattierungen fließen vielmehr ineinander.

AW-Info-Brief: Apropos Farben. Bei Männern ist das Färben ja nicht selten noch ein Tabuthema, zumindest geben ganz wenige zu, dass sie es tun. Färben Männer ihre Haare auch?

Daniela Schimatschek: Ja. Wobei wir bei Männern ein eigenes Produkt anbieten. Eine spezielle Tönung, die man fünf Minuten einwirken lässt. Man kaschiert die grauen Haare in einer Farbe, die der Naturfarbe angepasst ist.  Da diese Tönung sich langsam auswäscht, hat  es zur Folge,  dass  man keinen Nachwuchs sieht.

AW-Info-Brief: Ist die Beratung in deinem Geschäft nach wie vor wichtig, und was hat sich gegenüber früher geändert?

Daniela Schimatschek: Ja, die Beratung ist nach wie vor wichtig. Die meisten Kundinnen und Kunden erkundigen sich im Vorfeld schon über neue Trends. Vor  allem im Internet wird oft gesucht, auch  was die Farben betrifft. Es werden oft ausgedruckte Bilder von Frisuren mitgebracht.  Dabei wird leider vergessen, dass in der Praxis nicht immer alles machbar ist, was im Internet präsentiert wird. Auch wenn unsere Produkte immer besser werden stoßen wir manchmal  an Grenzen, zum Beispiel bei schwarzen Haaren mit weißen Strähnen. Leider vergessen manche, dass die im Internet präsentierten Bilder von Frisuren mit Bildbearbeitungsprogrammen nachbearbeitet wurden, was das Ergebnis natürlich oft  verfälscht.

 Danke für das Gespräch.